24 March 2026
SIRMIONE – Ein Zentner Wurfscheiben in Sirmione geborgen: Hinter den Überresten der alten Schießanlage verbirgt sich ein rechtliches Paradox, das den Einsatz von Bleimunition in einem See erlaubt, den Europa als Feuchtgebiet einstuft.
Ein Zentner Wurfscheiben vom Grund des Gardasees: Die Aktion der WWF-Taucher wird zur Anklage gegen die illegale Verwendung von Blei.
Am Sonntagmorgen brachten zwölf Taucher – koordiniert von WWF Sub und lokalen Tauchvereinen – in den Gewässern vor dem Parkplatz Monte Baldo in Sirmione ein Stück vergessener Geschichte des Gardasees ans Licht.
100 kg alte Wurfscheiben geborgen
In nur drei Stunden Tauchzeit sammelten sie einen Zentner (100 kg) alter Wurfscheiben, Hunderte von Ton- und Keramikscheiben, die über fünfzig Jahre lang auf dem Seeboden gelegen hatten.
Es handelt sich um die Überreste eines alten Schießstands am Seeufer, der seit Jahrzehnten geschlossen ist und erstmals 2025 vom Unterwasserroboter Zeno der Universität Pisa in Zusammenarbeit mit dem WWF identifiziert wurde.
Die heutige Aktion – Teil der nationalen Kampagne „Adopt Rivers and Lakes“ von WWF Italien und durchgeführt mit Unterstützung der Gemeinde Sirmione und von Sirmione Servizi – hat eine einfache Reinigungsmaßnahme in eine klare und starke Botschaft verwandelt.
Es war nicht nur eine Reinigung des Seebodens. Es war eine Anklage.
Lesen sie den Artikle: https://www.gardapost.it/2026/03/23/garda-i-sub-del-wwf-recuperano-cento-chili-di-piattelli/
Denn diese Wurfscheiben, scheinbar harmlose Objekte, stehen symbolisch für eine Praxis, die jahrzehntelang Tonnen von Blei aus Munition in den See eingetragen hat. Und das Problem gehört nicht nur der Vergangenheit an.
Seit dem 15. Februar 2023 gilt die EU-Verordnung 2021/57, die die Verwendung und den Transport von bleihaltiger Munition (≥1 % Konzentration) in Feuchtgebieten sowie im Umkreis von 100 Metern strikt verbietet. Die Definition von „Feuchtgebiet“ ist klar und umfassend: Sie umfasst Sümpfe, Moore, Seen, Flüsse und alle natürlichen oder künstlichen Gewässer, dauerhaft oder temporär.
Der Gardasee fällt aufgrund seiner Eigenschaften nach der Ramsar-Konvention und dem europäischen Recht eindeutig in diese Kategorie.
Eine rechtliche und ökologische Absurdität
Und dennoch wird der Gardasee nach italienischer Auslegung nicht als Feuchtgebiet betrachtet. Eine rechtliche und ökologische Absurdität, die es faktisch weiterhin erlaubt, unter bestimmten Umständen Bleimunition an seinen Ufern und in seinen Gewässern zu verwenden.
Die WWF-Taucher wollten gemeinsam mit den Tauchvereinen genau auf dieses Paradox aufmerksam machen. Durch die Bergung der historischen Wurfscheiben machten sie sichtbar, was allzu oft unsichtbar bleibt: die chronische Nichtumsetzung eines Landes, das trotz der Verpflichtung zur direkten Anwendung der EU-Verordnung (ohne nationales Gesetz) diese restriktiv auslegt und damit ein einzigartiges Ökosystem einem persistenten neurotoxischen Schadstoff aussetzt.